31.Jul.2017 | ID: 111848

Honda NSX GT3: Globales Rennprogramm für Kunden-Teams

1. Projekt

Die Designer und Ingenieure von Honda planten und entwickelten den neuen NSX vom ersten Entwurf an im Hinblick auf den späteren Renneinsatz. Sowohl die Strassen- als auch die Rennversion entstanden gleichzeitig, im Hinblick auf einen hochkarätigen Supersportwagen, der die DNA des Motorsports von Anfang an in sich trägt.

Die Entwicklung des NSX GT3 entstand in einer Zusammenarbeit der Honda Forschungs- und Entwicklungsabteilung (Honda R&D) mit JAS Motorsport aus Mailand (I) und Honda Performance Development (HPD) in den USA.

Sein Potenzial als äusserst konkurrenzfähiges GT3-Rennfahrzeug stellte der NSX GT3 bereits unter Beweis. Er gilt als Beispiel für eine Meisterleistung in Sachen Engineering und steht für Rennfahrer und Kunden-Teams auf der ganzen Welt zur Verfügung – auf Wunsch mit allen zugehörigen Dienstleistungen und dem Racing-Support auf dem Rennplatz.

 

2. Technische Angaben

Karosserie: Aluminium mit Stahldach und Überrollkäfig

Radstand: 2ʼ630 mm

Gesamtlänge: 4ʼ612 mm

Gesamtbreite: 2ʼ040mm

Gewicht: 1ʼ240 kg

Motor: 3ʼ501 cm3, V6, Bi-Turbo, Mittelmotor mit Direkteinspritzung

Getriebe: XTRAC halbautomatisches, sequenzielles 6-Gang-Schaltgetriebe mit elektronisch angesteuerter ZF/SACHS 3-Scheiben-Trockenkupplung, PANKL Doppel-Tripoden-System, Heckantrieb

Bremsen: BREMBO Bremsscheiben und Bremssättel, ABS und JAS Pedal-Box

Fahrwerk: Doppelquerlenker vorn, Multilenker hinten, SACHS Stossdämpfer, 5-fach verstellbar, Querstabilisator

Felgen: vorne OZ 12x18″ OZ, hinten OZ 13x18″

Cockpit: Sparco Renn-Schalensitze, am Fahrzeugboden montiert, JAS-Sicherheitsnetz, multifunktionales JAS/OMP-Lenkrad, Klimaanlage und geheizte Scheiben als Option

 

3. Interviews

Masashi Yamamoto, General Manager, Motorsport Division, Honda Motor Co.

Was inspirierte Honda zum Bau des NSX GT3?

MY: Ich zitiere gerne Soichiro Honda, den Gründer unseres Unternehmens, mit seinen legendären Worten: ‚ohne Racing kein Honda‘. Diese Philosophie lebt bis heute weiter. Mit dem Original, dem ersten NSX, feierten wir einen Klassensieg an den 24 Stunden von Le Mans. In Japan konnten wir die Super GT gewinnen. Mit dem NSX GT3 haben wir jetzt erneut die Möglichkeit, in den anspruchsvollsten GT-Rennen der Welt zu starten und den Namen NSX im globalen Rennsport zu positionieren. Ich denke da unter anderem an die 24 Stunden von Spa, an die 24 Stunden auf dem Nürburgring, an Daytona oder an die 1ʼ000 km von Suzuka.

 

Warum wurde das Rennfahrzeug im Verbund mit verschiedenen Partnern entwickelt?

MY: Mit dem NSX GT3 bieten wir ein Rennfahrzeug für die weltweiten Märkte an. Aus diesem Grund haben wir unsere stärksten Partner auf globaler Ebene für dieses Projekt vereint. Das Resultat ist ein Rennfahrzeug mit einem hervorragenden Handling, einem leistungsstarken und trotzdem beherrschbaren Antrieb, dem höchsten Sicherheits-Niveau und optimalem Komfort für den Fahrer. Alle – Honda R&D, JAS Motorsport und HPD – trugen entscheidend zu Design, Engineering und Entwicklung des NSX GT3 bei.

 

Warum ist das Engagement in der GT3 – Klasse wichtig für Honda?

MY: GT3 stand in den vergangenen 10 Jahren für die populärste Kategorie im Rennsport für und mit Sportwagen. Über 50 Fahrzeuge schreiben sich regelmässig in den Top-Veranstaltungen ein. Jeder Hersteller von Premium-Fahrzeugen produziert ein GT3-Fahrzeug. Gegen sie zu fahren – und zu gewinnen – ist für uns äusserst wichtig und fordert uns natürlich auch heraus. Der NSX GT3 und der NSX als Strassenfahrzeug weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Der Erfolg auf der Rennstrecke überträgt sich somit direkt auf das Serienfahrzeug und macht seine Qualitäten noch deutlicher erkennbar.


Stefano Fini, Chef-Designer, JAS Motorsport

Was ist so besonders an diesem Fahrzeug?

SF: Beim Honda NSX GT3 handelt es sich um das modernste Rennfahrzeug auf dem Markt der Supersportwagen. Die optimale Basis für den Rennbetrieb liefert die Architektur mit dem Mittelmotor, dem niedrigen Schwerpunkt und der kurzen Frontpartie. Für die Entwicklung des Rennfahrzeugs lag der Fokus auf der Fahrbarkeit, der Zuverlässigkeit und der Ergonomie. Der NSX GT3 bietet die höchste Performance von allen Fahrzeugen seiner Klasse. Er verfügt über die allerbesten Komponenten, die ihn zu einem einzigartigen Rennfahrzeug machen. Vom sequentiellen 6-Gang-Schaltgetriebe, der Brembo-Bremsanlage und den fünffach verstellbaren Sachs-Stossdämpfern bis zur verstellbaren Pedal-Box (JAS Design) und dem Sicherheitsnetz richtet sich Alles am Fahrer aus. Mit Peter Kox als leitender Testfahrer während der Entwicklungsphase setzte Honda auf einen Rennfahrer, der sich in der Welt der GT-Fahrzeuge wie kein anderer auskennt. Er weiss haargenau, wie sich ein GT3-Fahrzeug anfühlen muss und gab während dem Entwicklungs-prozess extrem wertvolle Hinweise.

 

Wie lange dauerte der Entwicklungsprozess?

SF: Design und Entwicklung des NSX GT3 folgten einem besonders sorgfältigen Plan. Die erste Design-Phase begann 2014. Sie wurde bei Honda R&D mit Unterstützung von JAS abgeschlossen. Vier Ingenieure von uns arbeiteten während vier Monaten in Japan, direkt bei und mit Honda R&D. Mit den ersten realen Tests ab Dezember 2015 stiessen die Ingenieure von HPD dazu. Ab diesem Zeitpunkt setzten wir die Entwicklung gemeinsam fort, unterstützt durch die Rennprogramme von Michael Shank Racing in der IMSA und Real Time Racing in der Pirelli World Challenge. Die klare und offene Kommunikation zwischen allen Programmen und allen Projektpartnern ermöglichte die professionelle und effiziente Weiterentwicklung mit über 85ʼ000 km auf der Rennstrecke. Als Resultat können wir jetzt das Kunden-Programm starten.

 

Wo liegen die Zielsetzungen mit diesem Rennfahrzeug?

SF: Wir wollen natürlich alle wichtigen GT3-Rennen gewinnen. Dazu zählen insbesondere die 24 Stunden von Spa und die 24 Stunden auf dem Nürburgring – die beiden grössten Rennen der Welt mit der GT3 als Hauptklasse. Ich weiss, dass dies sehr ambitioniert klingt. Das Potenzial aber ist vorhanden. So haben wir bereits beim ersten IMSA-Einsatz an den 24 Stunden von Daytona die Klasse der Sportwagen, also die GTD, während mehr als einem Viertel der Renndistanz angeführt. Und wir konnten die Tequila Patron Trophy gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dass die Teams mit dem NSX GT3 diese Erfolge fortsetzen können.

 

Alessandro Mariani, Managing Director, JAS Motorsport

Ab wann können Kunden-Teams den NSX GT3 kaufen?

AM: Dank der intensiven und gründlichen Entwicklungsarbeit aller Partner und dank den Daten aus dem realen Renneinsatz, die wir durch die Zusammenarbeit mit Michael Shank Racing und Real Time Racing dieses Jahr gewinnen konnten, sind die Fahrzeuge bereit für den Renneinsatz. Und sie können ab sofort bestellt werden. Wir planen die Verfügbarkeit von mindestens 12 Fahrzeugen zum Saisonstart 2018. Diese Anzahl Fahrzeuge steht rechtzeitig bereit, um für die IMSA Sportscar Championship im Vorfeld der 24 Stunden von Daytona zu testen. Das Fahrzeug schaffte in diesem Jahr die Führung in Daytona. Umso mehr bin ich davon überzeugt, dass wir ab Saisonstart mit äusserst konkurrenzfähigen Fahrzeugen bereitstehen.

 

Was erhalten die Kunden-Teams für ihr Geld?

AM: Wer mit dem NSX GT3 startet, erhält das modernste und aktuellste GT3-Fahrzeug auf dem Markt, das die neusten FIA Sicherheitsvorgaben erfüllt, mit einem technisch und aerodynamisch optimierten Racing-Paket. Die Antriebseinheit und das Fahrwerk wurden gemeinsam entwickelt und perfekt aufeinander abgestimmt. Fahrkomfort und Sicht im Cockpit sind exzellent. Zudem bieten wir Dienstleistungen mit einem umfassenden Betreuungs-Programm an, inklusive Ersatzteile und Engineering-Support.

 

Wo kann das Rennfahrzeug eingesetzt werden?

AM: Der NSX GT3 ist nach den aktuellsten FIA GT3-Reglementen aufgebaut. Somit ist er weltweit in allen wichtigen GT3-Serien zugelassen. Wir sehen den Einsatz insbesondere in den europäischen und asiatischen Blancpain GT-Serien, in den wichtigsten Langstreckenrennen wie den 24 Stunden auf dem Nürburgring und den 12 Stunden von Bathurst, den IMSA Serien in den USA, in der GT300-Klasse der Super GT-Meisterschaften in Japan und in zahlreichen nationalen GT-Meister-schaften.


4. Entwicklungs-Teams

JAS Motorsport

JAS Motorsport wurde 1995 in Mailand, Italien, gegründet. 1998 folgte der Schritt zum offiziellen Rennteam von Honda. Drei Jahre später etablierte sich JAS Motorsport als technischer Partner von Honda. Mit den siegreichen Teams im Deutschen Super-Tourenwagen-Cup, in der britischen Tourenwagenmeisterschaft (BTCC) und im europäischen Tourenwagen-Cup (ETCC) schrieb JAS Motorsport mit begnadeten Fahrern wie Tom Kristensen und Gabriele Tarquini Rennsport-geschichte. Parallel dazu entwickelte JAS den ersten Civic Type R für Rundstreckenrennen und Rallyes. 2013 holte der Motorsport-Spezialist aus Mailand mit Honda den Konstrukteuren-Titel in der FIA WTCC. Zudem entwickelte JAS den Civic Type R für die TCR und gewann diese Meisterschaft bereits mehrmals. Aktuell führen JAS und Honda mit dem Civic Type R das Zwischenklassement der FIA WTCC 2017 an.

 

Honda Performance Development (HPD)

Die Gründung von HPD geht auf das Jahr 1993 mit den Vorbereitungen für die Teilnahme an der Indy Car Serie in den USA zurück. Das Resultat beeindruckt. Kein anderes Unternehmen konnte bisher diese Anzahl an Erfolgen feiern: 225 Rennsiege, 15 Fahrer-Meistertitel, 6 Konstrukteuren-Meistertitel und 12 Indianapolis 500 Siege sind die Bilanz ab 2004.

Die Erfolgsgeschichte von HPD, Acura und Honda im Langstrecken-Rennsport liest sich ebenfalls beeindruckend: über 100 Klassen- und Gesamtsiege in der Kategorie der Prototypen (ab 1991), Siege an der Rolex 24, an den 12 Stunden von Sebring, den 24 Stunden von Le Mans und in der Petit Le Mans-Serie.

In der American Le Mans-Serie 2009 holten sich Acura mit HPD sämtliche Siege der Prototypen-Klasse. 2016 sicherten sie sich in der amerikanischen Langstrecken-Meisterschaft den Konstrukteuren-Titel. Vor der Gründung von HPD im Jahr 1993 fuhr der Acura 25 Rennsiege ein und gewann die IMSA Camel Lights Championships von 1991 bis 1993 dreimal in Folge. Bei Langstreckenrennen rund um den Globus konnten die Teams mit Honda-Motoren 78 Siege feiern, von denen 70 mit den von HPD entwickelten Sportwagen-Prototypen erzielt wurden. Weitere Informationen über HPD: http://hpd.honda.com

 

Mugen

Mugen bedeutet «ohne Limit». 1973 von Hirotoshi Honda gegründet, entwickelte sich Mugen zum Motoren-Tuner und Teilehersteller, der OEM-Komponenten für die Honda Motor Company fertigt. Seit dem Einstieg in den Motorsport 1986 konnten die Rennteams mit den Honda-Mugen-Motoren über 50 wichtige Titel gewinnen, unter anderem die Internationale Formel 3000 Meisterschaft, die Super GT Meisterschaft, zahlreiche hochkarätige Formel 3-Meisterschaften und andere prestigeträchtige Rennen. Mit den von Mugen aufgebauten Triebwerken gewannen die Rennteams vier Formel 1 Grand Prix und triumphierten bei den letzten vier Isle of Man-TT-Rennen in der TT Zero Serie.

 

5. NSX im Rennsport

N – S – X: Drei Buchstaben, die unmittelbar für High Performance, präzises Handling und die sorgfältige Kontrolle von Motorenleistung auf allerhöchstem Niveau stehen. Die Kombination dieser drei Eigenschaften führt direkt zu einem der legendären GT-Rennfahrzeuge in der Geschichte des Motorsports.

Mit dem Original NSX und dem daraus abgeleiteten Type R stieg Honda 1990 in den Rennsport ein – mit einem Motorsport-Gen, das seine Geschichte bis heute prägt. Für die Optimierung des Fahrwerks und die daraus folgenden, hervorragenden Handling-Eigenschaften setzte Honda auf den legendären, dreifachen Formel 1-Weltmeister Ayrton Senna.

NSX steht für die Sportwagen-Kreation von Ken Okuyama, Masato Nakano und Shigeru Uehara, und für das Modell, das Honda 1994 an den Start der 24 Stunden von Le Mans führte. Nur ein Jahr später folgte der grosse Triumph. Keiichi Tsuchiya, Akira Iida und Kunimitsu Takahashi holten in Le Mans mit dem Honda NSX den Sieg in der GT2-Klasse und den 8. Platz im Gesamtklassement.

In der Super GT (und im All-Japan GT Championship) fuhren die Teams mit dem NSX noch bis ins Jahr 2009 zahlreiche Siege und Podiumsplätze ein.

Ryo Michigami und Castrol Dome Mugen Project sicherten sich 2000 mit dem NSX den Meistertitel. 2007 doppelten Ralph Firman und Daisuke Ito nach und konnten die prestigeträchtige Serie nochmals mit dem NSX gewinnen. In der Klasse der GT300-Fahrzeuge holte sich M-TEC mit den Fahrern Tetsuya Yamano und Hiroyuki Yagi im Jahr 2004 den Meistertitel.

Das Renn-Debüt mit dem NSX GT3 erfolgte im Januar 2016 in der prestigeträchtigen IMSA Sportscar Championship in Nordamerika, an den 24 Stunden von Daytona – und zwar mit einem Erfolg, der aufhorchen lässt. Der NSX GT3 verpasste den Klassensieg um winzige 8 Sekunden! Die von Michael Shank Racing eingesetzten Fahrzeuge konnten insgesamt mehr Führungsrunden zählen als alle anderen Konkurrenten der GTD-Klasse (Gran Turismo Daytona) und damit auch die Tequila Patron Trophy gewinnen. Was für ein Auftakt!

Nach dem fünften Einsatz des NSX GT3 folgte in Detroit bereits der erste Sieg, mit Andy Lally und Katherine Legge hinter dem Lenkrad. Nur wenige Wochen später doppelte das erfolgreiche Paar an den 6 Stunden von Watkins Glen mit einem weiteren Klassensieg nach.


6. GT3 Rennserien

Die von der Stephane Ratel Organisation im Jahr 2005 initialisierte GT3-Klasse ebnet so vielen Herstellern wie nur möglich den Weg in den Gran Turismo (GT) Rennsport. Dabei liegt der Fokus auf einem überschaubaren Kostenrahmen und einer möglichst engen, direkten, fairen und auch spannenden Konkurrenz zwischen Marken, Teams und Fahrern.

Mit dem Konzept der ausgewogenen Performance aller Fahrzeuge (Balance of Performance) entwickelte sich die GT3 zur populärsten Kategorie der GT-Rennfahrzeuge. Heute sind 47 verschiedene Fahrzeuge von 22 Marken für den Rennbetrieb homologiert.

Die GT3-Klasse bildet den Kern der prestigeträchtigen Blancpain GT Series, der Blancpain GT Asia Series, der GTD Kategorie (Gran Turismo Daytona) innerhalb der nordamerikanischen IMSA Sports Car Championship, in der 24H Series und in über 20 hochkarätigen nationalen Sprint- und Langstrecken-Meisterschaften weltweit.

Bei den legendären, weltweit anerkannten und bekannten 24 Stunden von Spa handelt es sich um ein Rennen, an dem ausschliesslich GT3-Fahrzeuge am Start stehen. An den 24 Stunden auf dem Nürburgring starteten in diesem Jahr über 40 Fahrzeuge in der Top-Klasse. Profis und Amateure zeigten dabei Rennsport auf allerhöchstem Niveau.

Formel 1, IndyCar, MotoGP, die 24 Stunden von Le Mans, Tourenwagen-Meisterschaften auf nationalem und globalem Niveau: Die Geschichte von Honda ist stark mit der DNA aus dem Rennsport verbunden. Mit dem NSX GT3 lädt Honda die Kunden-Teams auf der ganzen Welt ein, Teil dieser legendären Geschichte zu werden – mit einem Fahrzeug, das die Ambitionen auf den Sieg bereits in sich trägt. 

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